Besucher richtet sein Smartphone auf einen historischen Turm in einer belebten Gasse
Praxisimpulse
Content & Interaktion 5 Min. Lesezeit

Touristische Inhalte digital nutzen: Vom vorhandenen Content zum interaktiven Erlebnis

Aus einem historischen Foto wird ein Vergleich, aus einer Geschichte ein Audioimpuls. Wie Teams für vorhandene Inhalte die passende digitale Form auswählen und Gäste zum Entdecken einladen.

Kerngedanke

Guter Inhalt braucht eine passende Form.

Was sollen Gäste an diesem Ort entdecken oder verstehen – und welche Form unterstützt sie dabei? Diese Frage hilft bei der Auswahl zwischen Bild, Audio, Information und Aufgabe.

Woran man es erkennt

  1. 01

    Der Inhalt und die Situation vor Ort bestimmen das Format.

  2. 02

    Vergleiche und Beobachtungsaufgaben geben vorhandenen Materialien eine neue Funktion.

  3. 03

    Auch Zuhören und Betrachten können die passende Form sein.

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Vom vorhandenen Content zum Erlebnis vor Ort

Historische Fotos, Geschichten, Sehenswürdigkeiten, Rundgänge, Archivmaterial, Audioaufnahmen oder Wissen aus Stadtführungen: Viele Destinationen verfügen bereits über eine große Menge an Inhalten. Wenn daraus ein digitales Angebot entstehen soll, liegt ein erster Gedanke nahe: Wie bekommen wir diese Inhalte aufs Smartphone?

Doch genau hier lohnt es sich, einen Schritt zurückzugehen. Ein Text wird nicht automatisch zum digitalen Erlebnis, nur weil er auf einem Display steht. Und ein historisches Foto wird nicht interessanter, nur weil es statt in einer Broschüre in einer App angezeigt wird.

Für die Gestaltung hilft eine andere Frage: Was sollen Gäste an diesem Ort entdecken oder verstehen – und welche Form unterstützt sie dabei? Damit rückt der Inhalt in den Mittelpunkt und bekommt eine konkrete Aufgabe im Besuch. Wer zunächst den grundsätzlichen Übergang von Content zu Nutzung betrachten möchte, findet dazu den Beitrag Warum vorhandene touristische Inhalte vor Ort nicht genutzt werden.

Vom Inhalt zur passenden Form

Bei der Planung eines digitalen Angebots kann die Diskussion schnell bei den möglichen Funktionen beginnen: Brauchen wir ein Quiz? Audio? Eine Karte? Bilder? Aufgaben?

Sinnvoller ist es häufig, zuerst auf den vorhandenen Inhalt zu schauen. Was ist daran interessant? Was können Gäste vor Ort entdecken? Welche Perspektive möchten wir vermitteln? Erst danach kommt die Frage nach dem digitalen Format. So wird aus der Digitalisierung vorhandener Informationen die Gestaltung eines Erlebnisses.

Dabei muss nicht aus jedem Inhalt eine Aufgabe entstehen. Manche Geschichten funktionieren am besten, wenn Gäste einfach zuhören. Manche Bilder sprechen für sich. Und manchmal ist eine kurze Information genau das Richtige. Interaktivität ist kein Selbstzweck. Sie sollte dort eingesetzt werden, wo sie Gästen hilft, genauer hinzusehen, etwas selbst herauszufinden oder eine Verbindung herzustellen.

Aus Anschauen wird Vergleichen

Ein historisches Foto eines Marktplatzes ist bereits ein interessanter Inhalt. Digital könnte man es zusammen mit einem erklärenden Text anzeigen. Stehen Gäste gerade an dem Ort, an dem das Foto entstanden ist, bietet sich aber auch ein Vergleich mit der heutigen Situation an: Was ist noch da? Was hat sich verändert? Welches Gebäude fehlt heute?

Aus einem historischen Foto wird so ein Vorher-Nachher-Vergleich, bei dem Gäste ihre Umgebung bewusst betrachten. Der Inhalt bleibt derselbe. Die Nutzung verändert sich.

Illustrative Smartphone-Ansicht mit einem Vorher-Nachher-Vergleich eines Fachwerkhauses und einem Schieberegler
Illustratives Beispiel: Ein Vorher-Nachher-Vergleich lädt dazu ein, Veränderungen am Gebäude selbst zu entdecken.

Damit der Vergleich funktioniert, sollten Bildausschnitt und Blickrichtung nachvollziehbar sein. Ein kurzer Hinweis auf den passenden Standort kann mehr helfen als eine zusätzliche Erklärung zur Stadtgeschichte.

Aus einer Geschichte wird ein Moment zum Zuhören

Viele Orte haben Geschichten, die bereits in Stadtführungen, Broschüren, Archiven oder auf Websites erzählt werden. Für ein digitales Erlebnis muss daraus nicht einfach ein weiterer Text entstehen.

Vielleicht eignet sich ein Ausschnitt als kurzer Audioimpuls genau an dem Ort, an dem die Geschichte passiert ist. Eine Beobachtungsfrage kann anschließend den Blick auf die Umgebung lenken. Sie ist dann sinnvoll, wenn sie einen Zusammenhang erschließt; eine gute Erzählung darf auch für sich stehen.

Für die Auswahl zählt zudem die Situation: Können Gäste hier in Ruhe zuhören? Ist der Ausschnitt ohne Vorwissen verständlich? Die Geschichte braucht einen klaren Anfang und einen Abschluss, der zum Ort zurückführt.

Aus einer Sehenswürdigkeit wird eine Aufgabe

Auch bei Sehenswürdigkeiten muss die digitale Ergänzung nicht aus einer weiteren Beschreibung bestehen. Eine Jahreszahl am Brunnen kann zum Ausgangspunkt einer Suchaufgabe werden. Anschließend erklärt eine kurze Geschichte, was damals am Platz geschah.

An einer Fassade können Gäste ein bestimmtes Symbol suchen. Ein Hinweis hilft ihnen, es mit der früheren Nutzung des Gebäudes zu verbinden. Die Aufgabe hat damit einen erkennbaren Bezug zum Ort: Wer hinschaut, kann selbst etwas herausfinden.

Illustrative Smartphone-Ansicht mit einer Aufgabe, die Stufen zur Aussichtsplattform am Westerturm vor Ort zu zählen
Illustratives Beispiel: Wer die Stufen am Turm zählt, findet die Antwort direkt vor Ort.

Auch Schätzfragen können passen, wenn es Anhaltspunkte gibt. Eine erkennbare Gebäudestruktur kann etwa dazu einladen, Abmessungen zu schätzen und sie anschließend einzuordnen. Ohne solche Hinweise bleibt leicht nur beliebiges Raten.

Das Smartphone gibt einen Impuls, der die Aufmerksamkeit zurück auf die Umgebung lenkt. Weitere Anregungen zur Gestaltung solcher Aufgaben enthält der Beitrag zu Rätseltouren und kleinen Challenges.

Aus mehreren Orten wird eine Route

Oft sind Inhalte über verschiedene Quellen und Orte verteilt. Eine historische Aufnahme befindet sich im Archiv. Eine Geschichte kennt der Stadtführer. Im Museum steht ein passendes Objekt. Ein lokaler Partner liegt wenige Straßen weiter.

Über ein gemeinsames Thema, eine Geschichte oder eine Aufgabe lassen sich diese Bausteine verbinden. So entsteht eine Route, ohne dass für jede Station komplett neuer Content produziert werden muss. Die redaktionelle Arbeit bleibt: Material auswählen, aufbereiten, Zugänge klären und verständliche Übergänge schaffen.

Illustrative Smartphone-Ansicht einer thematischen Route mit vier Stationen auf einer Karte
Illustratives Beispiel: Ein gemeinsames Thema verbindet einzelne Orte zu einer nachvollziehbaren Route.

Ein gemeinsames Thema allein reicht für die Strecke noch nicht. Die Reihenfolge muss auch zu den Wegen und zur verfügbaren Zeit passen. Wie aus bestehenden Orten ein geführtes Angebot wird, beschreibt der Beitrag Bestehende Rundgänge digital nutzbar machen.

Welche Form passt zu welchem Inhalt?

Die folgende Übersicht hilft bei der ersten Auswahl. Sie beschreibt redaktionelle Möglichkeiten; welche technische Umsetzung dafür gebraucht wird, lässt sich anschließend klären.

Vorhandener InhaltMögliche FormWann passt sie?
Historisches BildVergleich mit der GegenwartWenn Perspektive und sichtbare Veränderungen vor Ort nachvollziehbar sind.
Lokale GeschichteKurzer AudioimpulsWenn Gäste geschützt und in Ruhe zuhören können.
Historische Zahl oder MaßSchätzfrage mit AuflösungWenn erkennbare Hinweise eine begründete Schätzung ermöglichen.
Detail an einem GebäudeSuch- oder BeobachtungsaufgabeWenn Gäste das Detail vom zugänglichen Standort aus entdecken können.
Mehrere zusammengehörige POIsThematische RouteWenn Geschichte, Wege und Besuchsdauer zusammenpassen.
Besonderer BlickwinkelEinladung zum eigenen FotoWenn eine Aufnahme die Aufmerksamkeit auf das Motiv lenkt und vor Ort möglich ist.

Eine Fotoidee kann beispielsweise schon als Hinweis formuliert werden. Dafür ist kein Upload nötig. Ebenso kann ein historisches Bild mit einer Beobachtungsfrage zum Vergleich einladen, ohne eine besondere Vergleichsfunktion vorauszusetzen.

Was StadtQUEST dabei ermöglicht

Mit StadtQUEST können vorhandene Orte und Inhalte zu digitalen Touren und Erlebnissen zusammengestellt werden. Texte, Bilder und Audios lassen sich mit Aufgaben und einer Route verbinden. Wie ein Bildvergleich, eine Suchaufgabe oder ein Hörmoment konkret gestaltet wird, hängt vom Material, der Zielgruppe und dem gewählten Umfang ab.

Bestehende Inhalte können neu kombiniert, für unterschiedliche Zielgruppen aufbereitet oder in verschiedene Routen eingebunden werden. Ein einzelner Inhalt bekommt dabei je nach Angebot eine andere Funktion: als Einstieg, Vertiefung, Beobachtungsimpuls oder Verbindung zur nächsten Station.

Für den Anfang reicht es, einen vorhandenen Inhalt mit den drei Fragen im folgenden Praxis-Transfer zu betrachten. Wer daraus einen ersten digitalen Rundgang entwickeln möchte, kann mit einem StadtQUEST Pilotprojekt den passenden Rahmen klären.

Praxis-Transfer

Einen Inhalt anders betrachten

Nehmen Sie ein historisches Foto, eine Geschichte aus einer Stadtführung oder eine Sehenswürdigkeit als Ausgangspunkt. Drei Fragen helfen bei der Auswahl einer passenden Form.

  1. 01

    Was ist daran für Gäste interessant?

  2. 02

    Was sollen Gäste damit oder vor Ort entdecken und verstehen?

  3. 03

    Welche digitale Form unterstützt sie dabei?